Nachhaltige und innovative Technik der Zukunft: Schüler der BBS Wittlich informieren sich über Elektromobilität

Wie groß ist die Reichweite eines Elektroautos? Wie lange dauert das Laden? Wie hoch sind die Kosten? Wie fährt ein Elektroauto?
Der 22. Januar war für die Schülerinnen und Schüler der BBS ein ganz besonderer Montag. Statt des gewohnten Unterrichts erwartete die Besucher des Technischen Gymnasiums, der Berufsoberschule und einiger ausgewählter Berufsschulklassen im Foyer der Schule ein spannender und nicht alltäglicher Fachvortrag. Der Schule war es gelungen, einen ausgewiesenen Experten in Sachen Elektromobilität für eine schülerorientierte Präsentation zu gewinnen.
Dr. Stephan Oberfranz, der für die Firmengruppe P3 Systems GmbH tätig ist und dort wertvolle Forschungsarbeit im Bereich E-Mobilität leistet, ließ es sich trotz eines gefüllten Terminkalenders nicht nehmen, die Vorteile und Funktionsweise der neuen Technik dem anwesenden Publikum anschaulich zu erklären. Der 32-jährige Mathematiker forscht bei seinem Arbeitgeber in Stuttgart an Lösungen für Hochleistungsladestationen für Elektroautomobile, die den langwierigen Ladevorgang von mehreren Stunden auf unter 20 Minuten verkürzen sollen. Er möchte damit dazu beitragen, dass die Elektromobilität an Akzeptanz und Konkurrenzfähigkeit mit Verbrennungsmotoren gewinnt.
Vor mehr als einhundert Schülerinnen und Schülern leitete Oberfranz seinen Vortrag mit einer kurzen Vorstellung seiner Person und Tätigkeit sowie der Firmengruppe P3 ein. Mit seinem Werdegang zeigte er den Schülerinnen und Schülern der Berufsbildenden Schule für Umwelt und Technologie in Wittlich, wie wertvoll Kenntnisse im Bereich regenerative Energien für zukünftige berufliche Kompetenzen sind. Anschließend offenbarte er zahlreiche und oft überraschende Informationen über die inzwischen fast 180 Jahre andauernde Geschichte der Elektromobilität, um dann nahtlos in einen technischen Überblick über die Zukunft der Elektroautomobiltechnik überzugehen. Die zahlreichen Probleme und Herausforderungen, vor denen die Industrie im Bereich Elektromobilität, Automatisierung und Vernetzung derzeit steht, wurden in diesem Zusammenhang ebenfalls thematisiert. Den abschließenden Teil seines Vortrags widmete Oberfranz seinem eigentlichen Fachgebiet, der Ladetechnik. Um ein flächendeckendes Netz der oben angesprochenen Hochleistungsladestationen in Deutschland zu errichten, sei das Energieverteilernetz bisher noch nicht geeignet. „ Zehn gleichzeitig ladende Elektofahrzeuge belasten das Stromnetz in gleicher Weise wie ein Krankenhaus mit 120 Betten“, bemerkte Oberfranz zum derzeit noch defizitären Netzausbau.
Während seines Vortrages scheute der Experte sich auch nicht, kontroverse Standpunkte, wie zum Beispiel das Problem fehlender Infrastruktur für Ladestationen, aufzugreifen. Dies führte zu teils sehr regen Diskussionen mit den Schülern, die den Experten als sehr offen und kompetent erleben konnten. Oberfranz zeigte sich seinerseits positiv überrascht über die bereits hohe Fachkompetenz großer Teile des Auditoriums und der daraus resultierenden Qualität der Rückfragen. Zum Abschluss führte er einigen Schülern sein rein elektrisch betriebenes Dienstfahrzeug, einen Tesla Model S, vor. Das Fahrzeug, das während des Vormittags auf dem Schulhof aufgeladen wurde, lenkte bereits seit dem frühen Morgen die Aufmerksamkeit einiger technikbegeisterten Schüler auf sich. „Das Elektroauto ist sicherlich eine ernstzunehmende Alternative zu einem herkömmlichen Fahrzeug mit Verbrennungsmotor“, so das Fazit der Schüler.
Schulleiter Alfons Schmitz dankte Dr. Oberfranz im Namen der Schule für seinen kompetenten Vortrag über die Chancen der Elektromobilität und die Zukunft des Verkehrs. Ebenso äußerte er die Hoffnung, dass der Experte in einigen Jahren wieder den Weg zur BBS Wittlich finden würde. „Das ist die Technik der Zukunft und wir als Schule müssen in diese Technik investieren.“ Um Up-to-date unterrichten zu können und für die Region qualifizierte Nachwuchskräfte auf dem neuesten Stand der Technik auszubilden, wird die Schule im Laufe des Frühjahrs eine neue hochmoderne KFZ- Werkstatt in Betrieb nehmen, bei der dann ebenfalls zwei Ladestellen für Elektrofahrzeuge zur Verfügung stehen werden.
Holger Kipping