Gedenkveranstaltung in Erinnerung an den Deportationszug Da3 am 16.10.2019

Grenzenlos gedenken – Teilnahme des Leistungskurs Geschichte an der Gedenkveranstaltung in Erinnerung an den Deportationszug Da3 am 16.10.2019

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ (GG Art. 1). Der erste Artikel unserer Verfassung bildet die Basis unserer Demokratie und eines friedlichen Miteinanders. Leider kommt es auch in demokratischen Staaten in unserer heutigen Zeit immer häufiger zu Ereignissen, durch die die Würde eines Menschen verletzt wird. Die Geschehnisse von Halle haben gezeigt, dass aus hasserfüllten Worten schnell rassistisch motivierte Taten werden und die deutsche Geschichte lehrt uns, welches Ausmaß eine solche Entwicklung annehmen und wie schnell aus einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft ein menschenverachtendes System werden kann.

Zwar tragen wir heute keine Schuld an den Taten der Nationalsozialisten, dennoch haben wir eine Verantwortung dafür, dass die Gräueltaten und ihre Opfer nie vergessen werden und für die Richtung, in die sich unsere Gesellschaft entwickelt. Deshalb sind Gedenkveranstaltungen ein wesentlicher Bestandteil unserer Erinnerungskultur und aus diesem Grund nahm der Leistungskurs Geschichte der Jahrgangsstufe 13 des Beruflichen Gymnasiums an der Gedenkveranstaltung in Erinnerung an den Deportationszug Da3 von Luxemburg über Trier nach Lodz/Litzmannstadt teil.

Am 16. Oktober 1941 wurden 512 jüdische Menschen auf Verfügung der Geheimen Staatspolizei von Luxemburg über Trier in das Ghetto Litzmannstadt im besetzten politischen Lodz deportiert. Im Rahmen des staatlichen Programms zur sogenannten „Endlösung der Judenfrage“ wurden in diesem dritten Deportations- Transport auch Menschen aus unserer Region zur Vernichtung in den Osten deportiert, darunter 11 Wittlicher.

Diese hatten sich am 16.10.1941 um 14 Uhr im Bischof-Korum-Haus in Trier einzufinden. Die Menschen durften pro Person nur einen Koffer von max. 50 kg, Bekleidung nur soweit sie am Körper getragen werden konnte und Bargeld bis 100 RM pro Person sowie Verpflegung für 4-5 Tage mitnehmen. Von diesen 100 RM musste u.a. das Zugticket nach Lodz bezahlt werden. Bei Nichterscheinen drohten schärfste staatspolizeiliche Mittel. Nur 15 der 512 deportierten Menschen dieses Transports überlebten das Ghetto und die Vernichtungslager.

Den Opfern dieses Deportationszuges wurde am 16.10.2019 in mehreren grenzübergreifenden Veranstaltungen in Luxemburg, an der Mosel und in Trier gedacht. In Wittlich trafen sich Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen und Wittlicher Bürgerinnen und Bürger an den Deportationshäusern in der Oberstraße. Nach kurzen Redebeiträgen begleiteten die Besucher der Gedenkveranstaltung die Schülerinnen und Schüler, die stellvertretend für die deportierten Wittlicher mit Koffern schweigend den Weg von den Deportationshäusern zum ehemaligen Bahnhof zurücklegten. Dort angekommen stellten die Schülerinnen und Schüler die 11 an diesem Tag deportierten Menschen aus Wittlich vor, in dem Versuch, den Menschen einen Teil der Individualität zurückzugeben, die ihnen von den Nationalsozialisten und ihrer Rassenpolitik genommen wurde.