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Schule im Nationalsozialismus - Eine Ausstellung in der Wittlicher Synagoge

„Guten Morgen liebe Schüler“

Dieser Satz ist seit Jahren Bestandteil des Unterrichts und der Schule. Doch so bedenkenlos wie wir heute in der Schule lernen und unser Wissen anreichern, war es leider nicht immer.

Zur NS-Zeit war das Schulleben geprägt von Antisemitismus sowie Manipulation. Die Menschen und besonders die Schüler/ Kinder waren der Indoktrination gänzlich ausgeliefert. Vor allem bei den jüngeren Schülern der unteren Stufen, welche besonderes leicht beeinflussbar waren, erzielte dieses Vorgehen die gewollte Wirkung.

Im Rahmen des Leistungskurses Geschichte der Jahrgangsstufe 13 des Technischen Gymnasiums besuchten einige Schüler eine Ausstellung zum „Schulwesen im Nationalsozialismus“ in der Wittlicher Synagoge, um sich vertiefend über die Konsequenzen und fatalen Methoden der NS -Führung zu informieren. Wie schon bei unserem ersten Besuch begleitete uns Herr Richtscheid, ein Experte für jüdische Geschichte des Emil- Frank- Instituts, der uns bereits auf dem Weg zum ehemaligen jüdischen Gotteshaus einige Bauwerke zeigte, unter denen auch das der jüdischen Schule war.

Diese Schule wurde unter der Herrschaft der Nationalsozialisten geschlossen und als Verwaltungsgebäude genutzt, was den jüdischen Kindern die Möglichkeit des Lernens nahm. Unterricht erhielten sie, wenn dies möglich war, zu Hause durch ihre Eltern. Dies stieß bei den meisten Bürgern Wittlichs auf Unverständnis, da die Wittlicher Juden in das Stadtleben integriert waren und die Schule, die direkt neben der katholischen Kirche lag, für die Wittlicher ein selbstverständlicher Bestandteil ihrer Stadt war. Doch dieses positive Miteinander wurde bald durch die Propaganda der Nationalsozialisten zum Negativen hin verändert und Schritt für Schritt wurden auch die Juden in Wittlich zum Außenseiter.

In den „deutschen“ Schulen war zu dieser Zeit ebenfalls eine große Veränderung zu beobachten: Immer stärker wurde die nationalsozialistische Ideologie Bestandteil des Unterrichts. Das Schulleben war (ähnlich wie die damalige Gesellschaft) durch eine starke Hierarchie geprägt und das Wort des Lehrers Gesetz. Pseudowissenschaftliche Erkenntnisse wurden den Schülern regelrecht „eingetrichtert“ und selbstständiges, kritisches Denken seitens der Schüler und Lehrer war nicht erwünscht und wurde nicht geduldet.
Diese Indoktrination spiegelt sich auch in der Aufgabenstellung wider. So wurden den Schülern in den verschiedenen Fächern Aufgaben gestellt, die teils sehr unmenschlich waren. In Mathematik wurde z.B. errechnet, wie viel billiger ein vollkommen gesunder Schüler im Gegensatz zu einem kranken Schüler für den Staat sei, d.h. wie viel ein kranker Mensch den Staat koste, was natürlich die Abneigung der Menschen gegen diese „Gemeinschaftsfremden“ schürte. Auch saßen Schüler nicht im Physikunterricht um Flugbahnen von Bällen zu errechnen, sondern die von schweren Granaten und Geschossen. Einfache Matheaufgaben bestanden aus dem Zählen von Panzern und Kampfflugzeugen.

Ein im Nationalsozialismus neu geschaffenes Fach ist die „Rassenkunde“, welches unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder eingestellt wurde. Hier sollten Schüler Menschen nach Rassen unterscheiden lernen und sich mit der durch Sozialdarwinismus und Antisemitismus geprägten Rassenkunde sowie dem durch die Nürnberger Rassegesetze geschaffenen juristischen Rahmen beschäftigen. So sollte sichergestellt werden, dass die Deutschen das nationalsozialistische Gedankengut verinnerlichten und selbstständig gemäß der Ideologie handelten.


Ein Schüler, der zu dieser Zeit offen nationalsozialistisch eingestellt war (z.B. als Mitgliedschaft in der HJ) hatte Vorteile gegenüber anderen. So wurden zwei Schüler der Jahrgangsstufe 12 trotz schlechter Zensuren nur aufgrund ihrer HJ-Mitgliedschaft versetzt. Umgekehrt wurden z.B. regimekritische Schüler nicht zum Abitur zugelassen. Durch die hohe Zahl an HJ-Angehörigen wurde großer Zwang auf nicht eingetretene Schüler ausgeübt, welche sich auch Beschimpfungen und Anfeindungen ausgesetzt sahen.

Diese Beispiele belegen deutlich, dass die nationalsozialistische Ideologie alle Lebensbereiche der Menschen tangiert, auch das Leben in der Schule.

Marvin Molitor – TG 13 -